Aktuelle Auswertungen des dema!nstituts zeigen einen langfristigen Rückgang der Kriminalität. Sozialwissenschafter Günther Ogris betont, dass der öffentliche Eindruck jedoch stark von politischer Kommunikation geprägt wird – weniger von realen Entwicklungen.
Klare Fakten: Verurteilungen massiv gesunken
Seit 1959 ist die Zahl der gerichtlichen Verurteilungen um 78 % zurückgegangen. Damals wurden über 123.000 Menschen als Straftäter:innen verurteilt – 4,5-mal so viele wie im Jahr 2024. Dieser Rückgang zeigt sich quer durch die Kriminalitätsbereiche, sowohl bei Eigentumsdelikten als auch bei Gewaltverbrechen.
Strukturelle Effekte beeinflussen kurzfristige Zahlen
Einführung der Erwachsenen-Diversion (2000/2001): Die Möglichkeit eines außergerichtlichen Tatausgleichs führte innerhalb eines Jahres zu rund 20.000 weniger Verurteilungen.
Pandemie-Effekt (ab 2020): Während der Covid-19-Pandemie sank die Zahl der Verurteilten um etwa 4.000 Personen bzw. 17 Prozent – verursacht sowohl durch weniger Tatgelegenheiten während der Lockdowns als auch durch verschobene Gerichtsverfahren.
Kriminalität pro Kopf sinkt – trotz Bevölkerungswachstum
Seit 2005 ist die Verurteilungsrate von 555 auf 302 pro 100.000 Einwohner:innen gesunken – ein Rückgang um 43 %. Obwohl Österreich seit 2001 rund 1,13 Mio. zusätzliche Einwohner:innen gewonnen hat, gibt es heute weniger Verurteilte als damals.
Wien: Mehr Einwohner, weniger Verurteilte
Auch in Wien ist die Kriminalität deutlich rückläufig. Während die Wiener Bevölkerung um etwa 27 Prozent angewachsen ist, ist die Zahl der Verurteilten in den letzten 20 Jahren um 10 Prozent gesunken.
Die Kriminalitätsrate als Anteil der Bevölkerung ist in Wien seit 2005 um 60 Prozent gesunken (von 815 pro 100.000 Einwohner auf 329) und seit 2014 ist der Anteil der Verurteilten um 36 Prozent gesunken.

Günther Ogris, Sozialwissenschafter, Fotos: Sarah Steinhäusler
Jugendkriminalität deutlich zurückgegangen
Die Zahl der verurteilten Jugendlichen ist seit 2005 um 37 % gesunken.
Zählweisen verzerren den Eindruck
Seit 2018 führt die neue Mehrfachzählung in der polizeilichen Kriminalstatistik zu deutlich höheren Zahlen bei „Tatverdächtigen“. Einzelne Mehrfachtäter können Tausende Delikte verursachen und damit Trends massiv verzerren.
Der Anteil der Verurteilten an den Tatverdächtigen ist jedoch gesunken – ein Hinweis auf Änderungen in Statistik und Ermittlungsarbeit, nicht auf steigende Kriminalität.
Moderne Polizeiarbeit steigert Aufklärungsquoten
Durch digitale Ermittlungswerkzeuge – etwa Auswertung von Standortdaten oder DNA-Analysen – erreicht die Polizei heute Aufklärungsraten von über 50 %.
Fazit
Ogris bringt es auf den Punkt: „Österreich ist heute sicherer denn je.“
Die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung zeichnet ein viel positives Bild, als es öffentliche Debatten oft vermuten lassen.
Weitere Informationen und Pressebericht
Viele weitere Informationen und Grafiken dazu findest du in unserem Pressebericht.
Quellen:
*https://www.laenderdaten.info/kriminalitaet-nach-laendern.php?full
Statistik Austria
Justizstatistik (Statcube)
Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des BMI

